Berliner Zeitung

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Interview
"Pflüger kann es mit Wowereit aufnehmen"
Der Rhetorikexperte Peter H. Ditko über die "Duelle" der Spitzenkandidaten

Herr Ditko, Sie haben im Juli für die Berliner Zeitung das erste "Duell" Wowereit gegen Pflüger analysiert, gestern das letzte im RBB. Beim ersten sahen Sie Klaus Wowereit als deutlichen Sieger und fanden viele Schwächen bei Friedbert Pflüger. Was ist Ihr Urteil zum 4. "Duell"?

Pflüger ist deutlich besser geworden, selbstsicherer und auch freundlicher und hat die Rolle als Herausforderer Wowereits besser angenommen.

Inwiefern?

Er hatte seine Argumentation besser aufgebaut als beim ersten Mal, er hat weniger mit abstrakten Zahlen und mit mehr anschaulichen Beispielen aus dem Berliner Alltag gearbeitet. Das ist für ihn wichtig, weil er glaubhaft machen muss, dass er sich in Berlin genauso gut auskennt wie Wowereit. Der hielt Pflüger ja wieder genüsslich vor, seine Lieblingsstadt sei Hannover.

Wie war Wowereit?

Wie immer: ein Profi, talkshowerfahren, selbstbewusst, freundlich.

Manche meinen, er habe einen Hang zur Selbstherrlichkeit. Mehrfach kanzelte er die RBB-Moderatorin ab und redete, solange es ihm beliebte.

Ja, Wowereit klärt gern zu Anfang die Fronten, durchaus mit einer gewissen Brutalität. Seine Botschaft war klar: Ich habe hier das Sagen. Während Pflüger um mehr Redezeit bat, redete Wowereit einfach weiter.

Er muss damit ein bisschen vorsichtig sein, weil überzogenes Verhalten bei der Bevölkerung auch negativ ankommen kann.

Aber die Leute schätzen Alphatiere, die Stärke und Durchsetzungsvermögen ausstrahlen ...

Das ist wohl wahr. Wowereit hat auch am Anfang und am Ende der Sendung - beides bleibt am besten im Gedächtnis - souverän gehandelt. Zu Beginn hat er Pflüger gelobt. Zum Ende hat er den Berlinern klar in die Kamera gesagt: ich bleibe in Berlin, ihr kennt mich und ich bitte um euer Vertrauen. Pflüger war in diesen wichtigen Phasen zu ungenau und zu kompliziert in seinen Aussagen.

Wahlkämpfer wollen ihre Anhänger mobilisieren. Wie ist beiden das gelungen?

Wowereit hat mehrmals die sozialdemokratischen Themen Soziale Sicherheit und Gerechtigkeit angesprochen.Der Regierende hatte deshalb mehr Möglichkeiten, auch die sozial schwachen Schichten zu erreichen. Pflüger hat sich nur auf das Thema Arbeitsplätze konzentriert, konnte aber auf Nachfrage nicht genau sagen, wie die Jobs entstehen sollen und welche Investoren auf seiner Liste stehen. Wowereit hat deshalb sofort gekontert und gesagt, er könne auch eine Liste von Investoren vorlegen.

Also doch ein Fehler von Pflüger ?

Ja, die Frage, wie er ausländische Investoren nach Berlin holen will, ist zentral. Er hätte wenigstens vorher mit einem Investor reden müssen, um gegenüber Wowereit mit einem konkreten Beispiel punkten zu können. So blieben seine Ankündigungen unglaubwürdig.

Andererseits hat Pflüger offenbar schnell dazugelernt.

Ja, er hat in der kurzen Zeit viel verändert, beispielsweise wies er durch Bezug auf den Migrationsbeauftragten in seinem Schattenkabinett darauf hin, dass er ein Team hinter sich hat und nicht alleine kämpft. Das war im ersten Duell noch völlig anders. Auch die Nachfrage an Wowereit, warum der erst jetzt, kurz vor der Wahl, für beitragsfreie Kitas plädiert, war ein Punkt für Pflüger.

Ihre zusammenfassende Bewertung dieses letzten "Duells"? Wer ist verletzt vom Paukboden getragen worden?

Keiner. Es war ein Patt. Anders als beim ersten Gespräch, als Pflüger in den Seilen hing, hat er jetzt gezeigt, dass er es im Ring mit Wowereit aufnehmen kann.