Berliner Zeitung
COWBOYS MIT UND OHNE COLT
Für die ehemaligen Rheinländer, die es mit dem Regierungsumzug nach Berlin verschlagen hat, ist die Bundeshauptstadt auf mindestens einem Gebiet noch nicht ausreichend zivilisiert: Karnevalistisch muss sich nach Meinung der zugezogenen Jecken an der Spree wirklich noch eine Menge entwickeln. Ausgangspunkt vieler dieser Entwicklungen ist seit Jahren die "Ständige Vertretung" am Schiffbauerdamm, deren Inhaber Friedel Drautzburg und Harald Grunert baten am Donnerstagabend gemeinsam mit Peter H. Ditko vom Förderkreis Politische Rhetorik zu einem Rheinischen Abend mit dem Berliner Prinzenpaar auf das Konferenzschiff "Club of Berlin".
Karsten Voigt, der für die SPD mehr als zwei Jahrzehnte im Bundestag saß und jetzt als Koordinator für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt arbeitet, brachte ein Präsent für die Bilderwand in der "StäV" mit: Ein ungefähr 30 Jahre altes Foto von einem SPD-Parteitag, auf dem Horst Ehmke wie Wolfgang Joop aussieht und Heidemarie Wieczorek-Zeul eine waffenscheinpflichtige Frisur trägt.
(...) Friedhelm Julius Beucher, der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, liebte den Karneval schon aus einem Grund: "Ich durfte mit meinem Colt richtig rumballern." Außerhalb der tollen Tage musste er auf die passende Munition verzichten und "Peng!" rufen. Karsten Voigt hatte als Faschingscowboy übrigens gar keinen Colt, sondern bloß einen Sheriffstern. Ein früher Hinweis auf seine spätere politische Karriere?