die tageszeitung
MINISTERIN KÜNAST KRIEGT RHETORIK-NACHWUCHSPREIS
Statt des Goldenen Mikrofons für politische Rhetorik wird Renate Künast eine Frauenstatue überreicht. Sie ist jetzt "Frauenpersönlichkeit des Jahres".
Es gibt nicht viele Frauen in der Politik, die gute Rednerinnen sind. Das wäre ein Grund gewesen, einer, die es wirklich kann, einmal das Goldene Mikrofon des Förderkreises Politische Rhetorik zu verleihen. Damit hätte der Verein, dem Promis wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Unionsfraktionschef Friedrich Merz angehören, den Frauenanteil der bisher 23 PreisträgerInnen von eins auf zwei erhöht. Nummer eins zwischen den Biedenkopfs, Weizsäckers, Raus und Gysis, die mit dem Goldenen Mikrofon nach Hause gingen, war die SPD-Finanzpolitikerin Ingrid Matthäus-Meier, Nummer zwei wäre Verbraucherministerin Renate Künast gewesen.
Stattdessen bekam Künast gestern eine schmale marienartige Bronzestatue in die Hand gedrückt und wurde von ebendem Förderverein Politische Rhetorik zur "Frauenpersönlichkeit 2001" gekürt. Neuerdings ist man also nicht einfach Persönlichkeit, sondern Männerpersönlichkeit oder Frauenpersönlichkeit. Warum? Das konnte auch die Mannsperson Peter Ditko vom Förderverein nicht recht erklären, obwohl er sich wirklich Mühe gab. (...)