Die Welt

"EIN KLON AUS BEIDEN WÄRE PERFEKT"
Ein Rhetoriklehrer erklärt, warum Gerhard Schröder und Edmund Stoiber im Fernsehen so wirken, wie sie wirken

Der Kandidat schwitzt. Eine Locke hat sich aus dem weißen Haarhelm gelöst und wippt über seiner glitzernden Stirn. "Ich. Möchte. Taten. Es. Ist. Keine. Zeit. Für Gutachten", sagt er. Und: "Es. Ist. Keine. Zeit. Für Talkshows." Ruckartig, im Takt seines Rede-Stakkatos wirft Edmund Stoiber beide Hände gen Saalhimmel und lässt sie aufs Rednerpult herabsausen. Immer wieder.

"Wie ein Trommler" sagt Peter H. Ditko, Leiter der Deutschen Rednerschulen, und drückt den Pause-Knopf. Auf der Mattscheibe des holzfurnierten Fernsehers in Ditkos Bonner Büro verharrt der Kanzlerkandidat mit weit aufgerissenen Augen in wenig vorteilhafter Pose. "Stoiber ist engagiert und kämpferisch", lobt der Rhetorik-Lehrer. "Er zeigt aber kaum Variationen, weder in seiner Sprache noch in der Gestik. Das wirkt mechanisch."

Seit 25 Jahren bringt Peter Ditko deutschen Politikern das Sprechen bei. Inzwischen beschäftigt der gelernte Volkswirt zehn Lehrer und Redenschreiber. Über 15 000 Schüler sind durch seine Schulen in Berlin, Bonn und München gegangen, schätzt er. Wer alles darunter war, verrät der 59-Jährige nicht. Über der plüschigen Sofagarnitur seines Sprechzimmers hängen Fotos: Ditko mit Willy Brandt, Ditko mit Richard von Weizsäcker, Ditko mit Otto Graf Lambsdorf. Im Flur wird's dann zeitgemäßer: Peter Struck, Renate Künast und Wolfgang Gerhardt posieren mit dem Rhetorik-Lehrer. (...)

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