Die Welt

"SCHARF, SCHNEIDEND, ABER IMMER FAIR"
Rhetorik-Experten würdigen Oskar Lafontaine

(...) Im Haus der Parlamentarischen Gesellschaft lobte Peter H. Ditko, Gründer des Förderkreises, gestern den "Erlebnisrhetoriker" von der Saar als zwölften Preisträger nach Kurt Biedenkopf, Otto Graf Lambsdorff, Rainer Barzel, Johannes Rau, Gerhard Stoltenberg, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr, Ingrid Matthäus-Meier, Willy Brandt, Wolfgang Schäuble und Wolfgang Thierse: "Sie sind ein Redner, der lebt. Ihre Stimme ist versöhnlich, jovial, zeitweise gar väterlich und einige Augenblicke später scharf und schneidend." (...)

Ditko bemühte den Namensvetter des Preisträgers, den französischen Fabeldichter Jean de La Fontaine, der die Legende um Buddha und die chinesische Astrologie beschrieben hat: Buddha rief alle Tiere zu sich, doch nur zwölf kamen gleich - "zuerst die Ratte, zuletzt das Schwein". Analogien ließ der Laudator aber nicht zu: Mit Oskar Lafontaine beginne ein neuer astrologischer Rhythmus; er sei, dem chinesischen Horoskop folgend, nur eine Ziege. Diese Tiere, so habe er in der erklärenden Literatur gefunden, "finden immer saftige Weiden. Sie haben oft Glück vor allem in der Jugend und nach dem 40. Lebensjahr. Dazwischen verbreiten sie Unruhe".

Diese Zuordnung mochte der Geehrte, der die freie Rede als "eine Art Lügendetektor" versteht, nicht unkommentiert stehenlassen. "Das ist zwar ein anderer", sagte er, an die Zeit des bespöttelten, damals noch bärtigen Scharping erinnernd. Einen "Rollentausch" könne er aber wohl akzeptieren ...