Focus

SIGNALE FÜR DIE WÄHLER
Körpersprache statt Argumente: Warum Politiker ihre Medienauftritte bis ins Detail inszenieren

(...) Nach verpatzten Interviews schicken die parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktionen ihre Abgeordneten zum Medientraining. Bei Amtsträgern übernimmt die Staatskasse die teuren Schulungen, etwa für die jährlich rund 60 Staatssekretären, Minister und Oberbürgermeister, die der Bonner Medientrainer Peter H. Ditko für 450 Mark pro Stunde trainiert.

Um optimale Wirkung im Fernsehstudio zu erreichen, richten Werbefachleute und Parteimanager ihre Kampagnen auf das Image des Spitzenkandidaten aus. Beispiel Gerhardt Schröder: Er gibt sich locker und entspannt, wirkt durch sonore Stimme und geschulte Gestik. Die Wähler beurteilen Politiker zu 53 Prozent nach Gestik und Mimik zu 35 Prozent nach ihrer Stimme und nur zu zehn Prozent nach ihren Aussagen", ergänzt Peter H. Ditko. (...)

"Letztlich wirken Politiker dann glaubwürdig, wenn das was Sie sagen und das was sie tun, übereinstimmt", lehrt Ditko. So erlebte der Medientrainer wie sich Ministerin Claudia Nolte für ein Foto steif neben die Deutschland-Fahne stellte. Der Fotograf wollte, daß sie locker auf dem Schreibtisch sitzt. "Was soll denn da der Kanzler denken", entgegnete Nolte.

"Sie sind doch eine junge Frau, setzen Sie sich doch auf den Schreibtisch", riet TV-Trainer Ditko. Die Ministerin spurte. Inzwischen arbeitet Sie an einem Imagewandel und verbreitet in Interviews, daß ihr die Musik der Hardrockband AC/DC besonders gut gefalle.