Frankfurter Allgemeine

"Als ich mit Merkel essen war ..."
Thema Selbstdarstellung

„Wenn man argumentiert, braucht man Fakten und für die Fakten eine Quelle“, sagt Peter H. Ditko, Gründer und Geschäftsführer der Deutschen Rednerschule. Dafür könne man eine Untersuchung, ein Medium oder eben einen Namen angeben. Je bekannter der Name sei, desto wichtiger und akzeptabler dann auch das Argument. „Das zeigt Sachkompetenz“, sagt Ditko.

Der Rhetorikberater kennt jedoch auch den Mechanismus der reinen Selbstdarstellung, für den Namedropping ebenso benutzt wird: Man beziehe sich auf einen anderen Menschen und hoffe, dass etwas von dessen Glanz auf einen abfalle. Im Positionierungsspiel um sozialen Status und Prestige eine altbekannte Strategie. (…)

Oft falle sie nicht auf, vorausgesetzt, der Anwender geht geschickt vor. Dahinter steckt, dass das Gefühl am Ende den Verstand schlägt. Kein logisches Argument komme gegen ein gefühltes Argument an, sagt Ditko. Durch die Nennung einer dritten Referenzperson und deren assoziierte Eigenschaften bediene man sich einer sehr sinnvollen, in der Rhetorik oft effektvoll genutzten Verstärkungstechnik. (…)

Als Lügner entlarvt zu werden kann fatale Folgen haben. „Wenn man angibt, letztens mit der Bundeskanzlerin zum Essen gewesen zu sein, muss das auch der Wahrheit entsprechen“, betont Ditko. Doch selbst wenn dies der Fall ist, sollte man sich immer noch gut überlegen, mit wessen Federn man sich schmückt.

Hat man gestern noch erzählt, der Vorstandschef halte so viel von der eigenen Arbeitsweise, heute steht dieser aber leider unter Korruptionsverdacht - keine gute Sache für das eigene Image. „Am besten wählt man nur Persönlichkeiten, bei denen man sicher sein kann, das nichts passiert“, sagt der Rhetoriker. Auch wenn das ein schwieriges Unterfangen sei, gibt er zu.

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