Frankfurter Allgemeine
DAS MODELL TIETMEYER
Der Bundesbankpräsident sagt zum Abschied leise Servus
(...) Bourdieu hatte vor dem "Modell Tietmeyer" gewarnt, diesem kalten neoliberalen Theoretiker, der sich die Maske des "veritablen Imperialisten" aufgesetzt habe. Hätte er ihn einmal persönlich erlebt, hätte er ihn beim Festakt in Frankfurt erlebt, wäre er nicht zu dem Verdacht gekommen, Tietmeyers Rhetorik sei "raffiniert". Nein, sie war nur ehrlich, und deswegen überzeugend, nicht abgelesen, sondern vorgetragen.
"Integrativen Fernsehredner" hat dieser Tage Peter Ditko, der Inhaber der Bonner Rednerschule, den Kanzler genannt. Was so viel heißt wie: entrückt vom Publikum, immer hell und gut ausgeleuchtet, doch damit fahl und unpersönlich.
Schröder, meint Ditko, müsse rhetorisch noch viel lernen. Zum Beispiel, was Hans Tietmeyer von Nietzsche gelernt hat: "Das Verständliche an der Sprache ist nicht das Wort selbst, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, kurz die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft."