Frankfurter Rundschau
BLASENFREI SPRECHEN
15 Bundestagsabgeordnete stellen sich dem Redewettstreit des Förderkreises Rhetorik
Verona Feldbusch also. Petra Pau kichert kurz, fängt sich dann aber wieder und schaut ihrem Kontrahenten ernst in die Augen. So gut das eben geht. Denn der FDP-Politiker Dirk Niebel überragt die zierliche PDS-Abgeordnete gleich um mehrere Kopflängen. Also stellt sich Pau kerzengerade hin, verschränkt die Arme hinter dem Rücken und verkündet mit sonorer Stimme: "Aber natürlich kann ich mir Frau Feldbusch in der Politik vorstellen."
Energisches Kopfschütteln auf der Gegenseite. Nein, nein. Politik sei schließlich eine ernste Angelegenheit und keine Dauerwerbesendung für Selbstdarsteller. "Erstaunlich" findet Pau diese Antwort. Wo doch Niebels Parteikollegen voriges Jahr vor allem durch Fallschirmsprünge und Besuche im Big-Brother-Container auf sich aufmerksam gemacht hätten. Da kann sich selbst der FDP-Mann ein Schmunzeln nicht verkneifen, und das Publikum im Zuschauerraum johlt vor Vergnügen. 1:0 für die kleine Petra Pau.
Masse ist eben nicht gleich Klasse. Das zeigt sich beim Rednerwettstreit der Politiker in Berlin. Da kommt es auf Mimik an, auf Gestik und darauf, dass sich der Redner nicht im politischen Kauderwelsch verstrickt. Was dem Referenten "aus dem Maul" komme, sei letztlich unwichtig, so Peter Ditko vom Förderkreis Politischer Rhetorik in Deutschland, "wichtig ist, was beim Zuhörer ankommt". Eine Maxime, die längst nicht alle Redner im Bundestag immer beherzigten. (...)