Spiegel Online

RHETORIKKURS FÜR JUNGPOLITIKER
"Ein Fischer müsste her"

Gute Redner fallen nicht vom Himmel - deshalb wurde in Berlin bei einem Rhetorik-Wettbewerb der Parteien jetzt geübt, wie man die Redezeit einhält, klare Botschaften rüberbringt und sein Publikum unterhält. Am Ende stand fest: Der Polit-Nachwuchs ist besser als sein Ruf.

Berlin. Im Foyer der Bayerischen Vertretung in Berlin steht der SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter. Vier junge Leute bilden einen Halbkreis um ihn - es sind Nachwuchspolitiker von den Jusos. Benneter schwört seine "Jünger" ein: "Das Schlimmste, was passieren kann ist, dass man sich selbst nervös macht. Aber vergesst nicht: Feuer muss man haben!" Neben ihm scherzt Johannes von Thadden, Bundesgeschäftsführer der CDU, über den "Versuch der Selbstversenkung", auf den die Redner der Jusos seiner Einschätzung nach wohl zusteuern würden.

Die Jury

Zum sechsten Mal lädt die Deutsche Rednerschule zum Rhetorik-Wettbewerb zwischen den Vertretern der politischen Nachwuchsorganisationen. Je vier Teilnehmer der Jusos, Grünen Jugend, Jungen Liberalen und der Jungen Union sollen in vier unterschiedlichen Disziplinen versuchen, sich gegenseitig an die Wand zu reden. Es geht dabei um den Mannschaftssieg und um die beste Einzelleistung. Wer am besten geredet hat, sollen Politiker der jeweiligen Parteispitzen entscheiden: In der Jury sitzen Klaus-Uwe Benneter (SPD), Johannes von Thadden (CDU), Steffi Lemke (Grüne) und der ehemalige Bundestagsvizepräsident Dieter Julius Cronenberg von der FDP.

Peter H. Ditko eröffnet den Wettstreit

"Franz-Josef Strauß etwa war ein großartiger Redner - er hat getobt und danach wieder alle an seine breite Brust gedrückt", sagt Peter H. Ditko von der Deutschen Rednerschule. Ob Strauß oder andere: Gute Redner kommen nicht aus dem Nichts. Sie müssen sich üben, in ständigen Auseinandersetzungen mit Parteikollegen oder politischen Gegnern. "Vor Publikum und Kameras aufzutreten, das ist neu für mich - aber große Reden musste ich schon oft halten", so ein Teilnehmer der Jusos, bevor der Wettbewerb losging. Reden auf der Straße, reden in Stadtparlamenten oder im Gemeinderat - so fängt die Karriere als guter Rhetoriker an - viele Teilnehmer sind im Bundes- oder Landesvorstand der Jugendorganisationen der großen Parteien. "Es ist so, als ob heute die U-21-Mannschaft da wäre - und alle wollen in die Nationalmannschaft", so Ditko. Dass Regeln eingehalten werden, dafür sorgt Ditko gleich nach der Vorstellung der Redner: "Flegelt euch nicht auf den Tisch - sondern habt Kreuz!" mahnt er.

(...) Die Politiker in der Jury haben viel gelacht und zusammen mit dem Publikum entschieden: Sieger ist die Mannschaft der Jungen Liberalen vor der Grünen Jugend. Die Juso-Politikerin Michelle Schumann gewinnt als beste Rednerin.
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